Grundlagen

7 Monate arbeitslos: was mir das über meinen eigenen Kopf beigebracht hat

Frisches, histaminarmes Gemüse

 

Warum ich in dieser Zeit angefangen habe zu schreiben, nicht um einen Blog zu starten, sondern um wieder klar zu denken

[Titelbild: Mann Ende 40 am Küchentisch mit Notizbuch, Laptop im Hintergrund, ruhiges Licht, kein Business-Klischee]

Seit sieben Monaten bin ich ohne Job. Was in dieser Zeit in meinem Kopf passiert ist, hat mich mehr beschäftigt als die Jobsuche selbst, und genau davon erzähl ich dir hier, und was mir am Ende tatsächlich geholfen hat, wieder klarer zu denken.

Diesen Blog hier hab ich nicht gestartet, weil ich einen fertigen Plan hatte. Ich hab ihn gestartet, weil ich meine Gedanken irgendwo hinschreiben musste, um sie überhaupt zu ordnen. In diesem Artikel erzähl ich dir, wie sich das entwickelt hat, und warum genau das Schreiben der Punkt war, an dem sich bei mir etwas verändert hat.

Vielleicht liest du das auch als Partnerin, weil dein Mann gerade selbst ohne Job ist und du nicht so recht weißt, wie du ihn in dieser Zeit unterstützen kannst. Auch für dich ist dieser Artikel gedacht, weiter unten findest du dazu ein paar konkrete Gedanken.

Drei Phasen, durch die ich seither gegangen bin

Rückblickend lässt sich diese Zeit ziemlich klar in drei Abschnitte einteilen. Das Einordnen selbst hat mir schon geholfen, weil es aus einem diffusen „mir geht’s nicht gut“ etwas Konkretes gemacht hat.

Monate 1 bis 3: erst mal bei mir ankommen

Die ersten Wochen ohne Job fühlten sich fast wie eine Pause an, endlich Zeit. In dieser Phase bin ich tatsächlich erst mal bei mir selbst angekommen, ohne den täglichen Autopiloten des Arbeitsalltags. Aber irgendwann kippte das. Zu viele Gedanken gleichzeitig, zu viele Ideen, was ich als Nächstes machen könnte, und keine davon wirklich zu Ende gedacht. Ich hab in dieser Zeit gemerkt, wie sehr Overthinking sich anfühlt wie Handeln, obwohl in Wirklichkeit nichts passiert. Man sitzt da, denkt, plant im Kopf, und am Abend ist trotzdem nichts konkret geworden.

Danach: der Zweifel, nicht qualifiziert genug zu sein

Nach den ersten Monaten kam eine Phase, die mich ehrlich überrascht hat. Ich hab einen guten Hochschulabschluss und jahrelange Erfahrung, und trotzdem fing irgendwann der Zweifel an, ob ich überhaupt gut genug qualifiziert bin. Objektiv hatte sich an meinen Qualifikationen nichts geändert, nur die Zeit ohne Job hat angefangen, sich in mein Selbstbild einzuschleichen. Das war für mich der Beweis, wie sehr sich Selbstzweifel von der tatsächlichen Faktenlage lösen können.

Später: Existenzängste und Kopfkino, obwohl objektiv nichts dagegen sprach

Am längsten hat mich die dritte Phase beschäftigt: die Frage, wie es später weitergeht. Ich weiß, dass ich in einer vergleichsweise stabilen Ausgangslage bin, gesund, mit Optionen, ich sag das bewusst, weil ich weiß, dass nicht jeder in dieser Situation dieselben Möglichkeiten hat. Und trotzdem kam ständig dieses Kopfkino, Zukunfts- und Existenzängste, die sich anfühlten, als stünde ich kurz vor dem Nichts. Das war für mich der klarste Beweis, dass Angst sich selten an der tatsächlichen Lage orientiert, sie folgt eigenen Gesetzen im Kopf, nicht zwingend der Realität. Wenn deine Lage objektiv schwieriger ist als meine, wird sich das Kopfkino bei dir vermutlich nicht kleiner anfühlen, eher im Gegenteil, aber der Mechanismus dahinter bleibt oft derselbe.

Das war für mich der eigentlich zermürbende Teil dieser sieben Monate, nicht die fehlende Arbeit an sich, sondern das Gefühl, in meinem eigenen Kopf gefangen zu sein, ohne rauszukommen.

Warum ich angefangen habe zu schreiben

Irgendwann hab ich angefangen, das, was in meinem Kopf war, einfach aufzuschreiben. Ohne Ziel, ohne Plan, dass daraus ein Blog werden sollte. Zuerst ging es nur darum, meine Gedanken aus dem Kopf rauszubekommen, damit sie sich nicht mehr im Kreis drehen, sondern irgendwo sichtbar vor mir liegen.

Und genau dabei ist etwas passiert, das ich vorher nicht erwartet hatte: sobald ein Gedanke aufgeschrieben war, konnte ich ihn sortieren. Ich konnte sehen, welche Gedanken wichtig waren und welche nur Lärm. Aus diesem Sortieren wurde nach und nach mehr Klarheit, und aus der Klarheit wurden die ersten echten Entscheidungen. Das war der eigentliche Auslöser für diesen Blog, nicht die Idee, ein Business aufzubauen, sondern das Bedürfnis, mit mir selbst wieder klarzukommen.

So in etwa sah das bei mir aus: ein Zettel voller halber Sätze, „wieder die ganze Nacht wachgelegen“, „was, wenn mich niemand mehr will mit 45“, „eigentlich hab ich doch genug drauf, warum zweifle ich trotzdem“. Wild durcheinander, ohne Anspruch auf Ordnung. Aber sobald diese Sätze auf dem Papier standen statt nur im Kopf zu kreisen, konnte ich sie nüchterner anschauen, fast wie von außen. Manche davon waren berechtigte Sorgen, andere reines Kopfkino, das ich erst beim Aufschreiben als solches erkannt habe.

WTF-Fakt: Der Psychologe James Pennebaker hat über Jahrzehnte erforscht, was passiert, wenn Menschen belastende Gedanken aufschreiben, statt sie nur im Kopf zu wälzen. Seine Studien zeigen immer wieder, dass strukturiertes Schreiben über schwierige Themen Stress nachweislich reduziert und beim Verarbeiten hilft, oft schon nach wenigen kurzen Schreibsitzungen. Der Mechanismus dahinter: Schreiben zwingt diffuse, kreisende Gedanken in eine Reihenfolge, und genau diese Reihenfolge ist der erste Schritt zur Klarheit.

Wie aus Klarheit bessere Entscheidungen wurden

Solange alles nur im Kopf war, fühlte sich jede Entscheidung riesig an, weil ich gleichzeitig zehn verschiedene Gedanken dazu hatte. Sobald ich anfing, systematisch aufzuschreiben, was mich beschäftigt, wurde daraus etwas Handhabbares. Klarheit im Kopf führt zu klaren Entscheidungen, und klare Entscheidungen führen dazu, dass du tatsächlich ins Tun kommst, statt nur weiter zu überlegen.

Konkret sah das bei mir so aus: Statt mir zehn mögliche berufliche Richtungen gleichzeitig im Kopf hin und her zu wälzen, hab ich sie aufgeschrieben, eine nach der anderen bewertet, und mich dann für den nächsten kleinen Schritt entschieden, nicht für den ganzen Weg auf einmal. Genau das Prinzip, das ich später in meinem 1%-System weiter ausgebaut habe, ist hier zum ersten Mal entstanden, direkt aus dieser Zeit der Arbeitslosigkeit heraus.

Was zusätzlich geholfen hat: Gespräche mit den richtigen Menschen

Neben dem Schreiben war da noch etwas, das ich anfangs unterschätzt habe: gute Gespräche mit guten Freunden. Ein einziges ehrliches Gespräch hat mir manchmal mehr Klarheit gebracht als Wochen allein am Schreibtisch, einfach weil jemand von außen einen Blickwinkel mitbringt, auf den ich allein nie gekommen wäre. Freunde, die zugehört haben, ohne sofort Ratschläge zu geben, haben mir öfter geholfen als jene, die gleich Lösungen parat hatten.

Schreiben und Gespräche haben sich für mich am Ende ergänzt: das Schreiben hat meine eigenen Gedanken sortiert, die Gespräche haben meinen Horizont über das hinaus erweitert, was ich mir allein hätte ausdenken können.

Der ehrliche Stand: noch immer ohne Job, aber nicht mehr im Kreis

Ich will hier nichts schönreden: ich bin nach sieben Monaten immer noch ohne Job. Das hier ist keine Geschichte mit fertigem Happy End, sondern eine, die mitten im Prozess geschrieben wird. Der Unterschied zu den ersten Wochen ist nicht, dass ich jetzt alle Antworten hätte, sondern dass ich nicht mehr das Gefühl habe, in meinem eigenen Kopf gefangen zu sein.

Ich schreibe weiterhin, fast jeden Tag, nicht immer für den Blog, oft einfach nur für mich. Und jedes Mal, wenn sich die Gedanken wieder anfangen zu drehen, ist Schreiben das Erste, worauf ich zurückgreife, nicht als letzte Rettung, sondern als das Werkzeug, das bei mir am zuverlässigsten funktioniert.

Kleiner Download-Tipp: Das freie Aufschreiben ist der erste Schritt, um den Kopf zu leeren. Sobald das Gröbste raus ist und du wieder klarer denken kannst, hilft dir als nächster Schritt der Bereich „Beruf & Geld“ im HalfTimeUp-Kompass, um deine Gedanken in eine Richtung zu bringen, mit Platz für deinen eigenen nächsten 1%-Schritt.

Für Partnerinnen: was in dieser Zeit wirklich hilft

Wenn dein Mann gerade ohne Job ist, ein paar Gedanken, die vielleicht helfen.

Frag nicht ständig nach dem Stand der Bewerbungen. Das fühlt sich für ihn schnell wie Kontrolle an, statt wie Interesse, auch wenn du es gut meinst. Frag lieber, wie es ihm gerade geht, statt wie weit er ist.

Gib ihm Raum, seine Gedanken selbst zu ordnen. Genau das hat bei mir am meisten geholfen, Zeit und Ruhe, um für mich selbst herauszufinden, was als Nächstes kommt, statt sofort Lösungen von außen zu bekommen.

Dein Vertrauen wiegt mehr, als du denkst. In einer Zeit, in der der eigene Selbstwert oft an der beruflichen Situation hängt, ist es ein großer Unterschied, ob er das Gefühl hat, du stehst hinter ihm, oder ob er sich auch zu Hause noch rechtfertigen muss.

Fragen, die mir oft gestellt werden

Warum steht hier nicht, wie es zur Arbeitslosigkeit kam? Weil es in diesem Artikel nicht um den Grund geht, sondern darum, was danach in meinem Kopf passiert ist. Das gilt unabhängig davon, ob du gekündigt wurdest, selbst gegangen bist oder aus einem ganz anderen Grund gerade ohne Job dastehst.

Muss ich einen Blog starten, um von diesem Effekt zu profitieren? Nein, überhaupt nicht. Ein einfaches Notizbuch reicht völlig. Der Effekt kommt vom Aufschreiben selbst, nicht davon, dass es veröffentlicht wird.

Wie fange ich am besten an, wenn ich noch nie so geschrieben habe? Fang einfach an, ohne Anspruch an Grammatik oder Struktur. Schreib auf, was gerade in deinem Kopf ist, genau so, wie es dort ist. Ordnung kommt später von allein.

Wie lange muss ich schreiben, bis es hilft? Bei mir hat es schon nach den ersten Tagen etwas verändert, auch wenn sich die großen Entscheidungen erst über Wochen entwickelt haben. Der Effekt kommt schneller als das Ergebnis.

Was, wenn ich merke, dass ich beim Schreiben nur noch mehr grüble? Dann versuch, dir konkrete Fragen zu stellen, statt frei zu schreiben, zum Beispiel: was beschäftigt mich gerade am meisten, und was wäre der kleinste nächste Schritt dazu. Das gibt dem Schreiben eine Richtung.

Fazit: nicht die Antworten haben mich weitergebracht, sondern das Aufschreiben der Fragen

Sieben Monate ohne Job haben mir nicht die fertige Lösung gebracht, aber sie haben mir gezeigt, was mir hilft, wenn ich keine habe: aufschreiben, sortieren, klarer werden, und dann den nächsten kleinen Schritt tun. Dieser Blog ist im Kern nichts anderes als diese Übung, öffentlich weitergeführt.

Wenn du selbst gerade in einer Phase steckst, in der sich alles im Kopf dreht, ohne dass etwas vorangeht, dann fang nicht mit der großen Lösung an. Fang mit einem Blatt Papier an, und schreib einfach auf, was gerade da ist.

P.S. Falls du magst, schau dir den HalfTimeUp-Kompass an, dort kannst du deine beruflichen Gedanken auf die gleiche Art strukturieren, die mir in dieser Zeit am meisten geholfen hat.

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